Beim Öffnen duftete altes Papier, zwischen Beständen lag eine Liebeskarte. Wir reinigten, ersetzten eine Führungsschiene, klebten Furnierblasen, frischen Schellack hauchdünn auf. Innen Fächer für Briefe, oben Platz für Fotos und Kerzen. Das Möbel trägt Alltag, ohne seine ruhige Melodie zu verlieren.
Die Familie erinnerte sich an nächtliche Teegespräche. Wir spannten Zapfen neu, setzten einen verdeckten Holzdübel, gaben der Sitzfläche warmes Öl und ließen alte Farbreste in den Fugen. Der Stuhl knarzt weniger, erzählt mehr und lädt Gäste spürbar ein, länger zu bleiben.
Ein Stück Zierleiste fehlte, Blattgold war stumpf. Wir schnitzten eine passende Ergänzung, grundierten mit Kreide, legten hauchzartes Metall auf und patinierten behutsam. Kleine Schatten bleiben sichtbar und erzählen offen. Morgens reflektiert der Rahmen wieder weiches Licht, abends hält er Erinnerungen zusammen.
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